Gedicht des Monats
654
post-template-default,single,single-post,postid-654,single-format-standard,cookies-not-set,ajax_fade,page_not_loaded,,qode_popup_menu_push_text_right,qode-theme-ver-17.0,qode-theme-bridge,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.5,vc_responsive

Gedicht des Monats

Gedicht des Monats

Ab und zu sollte man inne halten. Vielleicht ein Gedicht lesen. Oder noch besser: ein Gedicht aufschreiben und auswendig lernen. Der ‘Archaïscher Torso Apollos’ von Rainer Maria Rilke ist ein guter Prüfstein und Denkanstoß.  Dieses Gedicht begleitet mich seit meiner Studentenzeit. Man sollte immer mal wieder über sein Leben nachdenken. Die Zeilen von Rilke helfen dabei.

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, 
darin die Augenäpfel reiften. Aber 
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, 
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, 

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug 
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen 
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen 
zu jener Mitte, die die Zeugung trug. 

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz 
unter der Schultern durchsichtigem Sturz 
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle; 

und bräche nicht aus allen seinen Rändern 
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, 
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.